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Ernährung

Schadet eine eiweißreiche Ernährung den Nieren? Was Studien wirklich zeigen

Eiweiß und Nieren: Erfahre, was Studien zu hoher Proteinzufuhr sagen und warum bei chronischer Nierenerkrankung andere Regeln gelten.

7 Min. Lesezeit

KI-generiertes Bild: Ausgewogene Mahlzeit mit Linsen, Lachs, Gemüse und einem Glas Wasser
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„Mir wurde gesagt, dass viel Protein beim Muskelaufbau die Nieren schädigen kann. Stimmt das – und sollte ich meine Nierenfunktion testen lassen?“ Diese Sorge taucht regelmäßig in Fitness- und Ernährungsdiskussionen auf. Eine einfache Ja-oder-Nein-Antwort wäre hier irreführend: Entscheidend ist, ob jemand gesunde Nieren hat oder bereits eine chronische Nierenerkrankung vorliegt – und wie hoch die Proteinzufuhr über welchen Zeitraum ist.

Die bisherige Forschung an Erwachsenen ohne bekannte chronische Nierenerkrankung liefert keine Hinweise auf eine einheitliche Verschlechterung üblicher Nierenmarker durch eine eiweißreichere Ernährung über die untersuchten Zeiträume. Das ist jedoch keine lebenslange Sicherheitsgarantie für sehr hohe Zufuhr. Bei diagnostizierter Nierenerkrankung gelten andere Empfehlungen, die medizinisch abgestimmt werden sollten.

Warum Protein und Nieren oft zusammen genannt werden

Beim Abbau von Aminosäuren entsteht unter anderem Harnstoff, der über die Nieren ausgeschieden wird. Nach einer proteinreichen Mahlzeit können sich deshalb bestimmte Stoffwechselwerte und die Nierenfiltration verändern. Eine solche Reaktion bedeutet für sich genommen noch nicht, dass Nierengewebe geschädigt wurde.

In Studien wird die Filtrationsleistung häufig über die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate erfasst, kurz eGFR. Ein Wert, der sich verändert, ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Erkrankung. Für die Einordnung zählen auch weitere Befunde, etwa Albumin im Urin, der Verlauf über die Zeit und die persönliche Krankengeschichte. Die KDIGO-Leitlinie zur chronischen Nierenerkrankung weist darauf hin, dass auffällige Werte in der Regel ärztlich eingeordnet und gegebenenfalls durch weitere oder wiederholte Messungen bestätigt werden müssen.

Was Studien bei Erwachsenen ohne bekannte Nierenerkrankung zeigen

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von 2018 verglich Studien mit höherer Proteinzufuhr und niedrigeren oder üblichen Mengen bei Erwachsenen ohne bekannte Nierenerkrankung. Eingeschlossen wurden 28 Artikel mit insgesamt 1.358 Teilnehmenden. Die eGFR beziehungsweise glomeruläre Filtrationsrate lag nach den Interventionen in der Gruppe mit höherer Proteinzufuhr leicht höher. Der Unterschied zwischen Ausgangswert und Studienende fiel jedoch nicht signifikant unterschiedlich aus. Die Autorinnen und Autoren fanden damit keinen nachteiligen Effekt auf die untersuchte Nierenfunktion bei gesunden Erwachsenen. Zugleich wiesen sie auf Grenzen der verfügbaren Studien hin, darunter ein mögliches Verzerrungsrisiko und begrenzte Beobachtungszeiträume. Die Meta-Analyse von Devries und Kolleginnen und Kollegen beantwortet also nicht abschließend, was jahrzehntelange sehr hohe Zufuhr bewirkt.

Eine neuere Meta-Analyse von 2026 wertete 22 randomisierte Studien bei Erwachsenen ohne chronische Nierenerkrankung aus. Die untersuchten eiweißreicheren Ernährungsformen lieferten meist etwa 25 bis 35 Prozent der Energie aus Protein oder mindestens 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Im Vergleich zu Kontrollgruppen war die eGFR im Mittel höher; das Serum-Kreatinin veränderte sich dagegen nicht signifikant, und es zeigte sich kein konsistentes biochemisches Muster für eine Nierenschädigung. Die Forschenden betonen, dass viele Studien relativ kurz waren und häufig auf kreatininbasierten Schätzungen beruhten. Der eGFR-Anstieg könnte teilweise eine kurzfristige Anpassung der Filtration widerspiegeln. Langfristige Folgen bleiben offen. Die systematische Übersichtsarbeit von Silva und Kolleginnen und Kollegen ist daher beruhigend für die in Studien untersuchten Zeiträume, aber keine Garantie für jede Person und jede beliebig hohe Zufuhr.

Die ältere und die neuere Übersichtsarbeit sind nicht zwingend widersprüchlich. Eine beschreibt, dass sich die Veränderung der Filtrationsrate vom Ausgangswert in den einbezogenen Studien nicht klar unterschied. Die andere findet einen höheren eGFR-Wert gegenüber Kontrollgruppen, aber keine konsistente Veränderung von Serum-Kreatinin, die auf eine Schädigung hindeutet. Ein einzelner Nierenmarker ist nicht dasselbe wie eine klinisch diagnostizierte Nierenerkrankung.

Bei diagnostizierter chronischer Nierenerkrankung ist die Lage anders

Wenn eine chronische Nierenerkrankung bereits festgestellt wurde, kann eine hohe Proteinzufuhr zusätzliche Anforderungen an die Nieren stellen. Für diese Gruppe gelten deshalb nicht automatisch die Ergebnisse aus Studien mit gesunden Erwachsenen. Die KDIGO-Empfehlungen von 2024 schlagen für Erwachsene mit CKD im Stadium G3 bis G5 etwa 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag vor. Bei Erwachsenen mit CKD und Progressionsrisiko rät die Leitlinie, eine hohe Zufuhr von mehr als 1,3 g/kg/Tag zu vermeiden. Die konkrete Ernährungsplanung soll dabei zum Stadium der Erkrankung und weiteren Gesundheitsfaktoren passen.

Diese Zahlen sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Nierenpatientinnen und -patienten können unterschiedliche Bedürfnisse haben, und Faktoren wie Dialyse oder andere Erkrankungen beeinflussen die Planung. Bei bekannter CKD gehört die Proteinzufuhr deshalb mit dem behandelnden Team oder einer qualifizierten Nieren-Ernährungsfachkraft besprochen. Die KDIGO-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, Ernährungsanpassungen an individuelle Bedürfnisse und Schweregrad der Erkrankung anzupassen.

Wie viel Protein ist für Sport nötig?

Allgemeine Referenzwerte sind nicht dasselbe wie sportbezogene Orientierungen. Die DGE nennt für Erwachsene bis unter 65 Jahren 0,8 g/kg Körpergewicht pro Tag; ab 65 Jahren führt sie einen Schätzwert von 1,0 g/kg/Tag auf. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt für Erwachsene einen Referenzwert von 0,83 g/kg/Tag. Diese Werte beziehen sich auf die allgemeine erwachsene Bevölkerung und sind keine individuellen Ziele für intensives Training.

Für ambitionierten Sport nennt die Arbeitsgruppe Sporternährung der DGE einen Orientierungsbereich von etwa 1,2 bis 2,0 g/kg/Tag, abhängig von Sportart, Trainingsumfang und Ziel. Sie betont aber auch, dass eine dauerhaft sehr hohe Proteinzufuhr von mindestens 2 g/kg/Tag Auswirkungen auf die Nierenfunktion nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Für langfristig sehr hohe Mengen ist die Datenlage begrenzt; die DGE-Position rät zu ärztlicher Begleitung, wenn eine solche Zufuhr angestrebt wird. Die DGE-Position „Proteinzufuhr im Sport“ richtet sich an sportliche Kontexte und sollte nicht als Aufforderung verstanden werden, möglichst viel Protein zu essen.

Für viele Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler ist es hilfreicher, zunächst die normale Ernährung und den tatsächlichen Trainingsumfang zu betrachten. Die DGE weist darauf hin, dass Menschen im moderaten Breitensport nicht automatisch eine erhöhte Zufuhr benötigen. Mehr ist nicht grundsätzlich besser; eine hohe Zahl auf dem Ernährungsplan ist kein Ersatz für eine passende Gesamtversorgung.

Sollte ich meine Nierenfunktion testen lassen?

Ein Reddit-Beitrag oder ein Fitnessgespräch allein kann nicht feststellen, ob eine Untersuchung für dich sinnvoll ist. Wenn bei dir bereits eine Nierenerkrankung, Diabetes, Bluthochdruck oder frühere auffällige Blut- oder Urinwerte bekannt sind, besprich die geplante Proteinzufuhr mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das gilt besonders, wenn du dauerhaft sehr hohe Mengen anstrebst.

Bei Menschen mit einem medizinisch begründeten Risiko empfiehlt KDIGO, sowohl die geschätzte Filtrationsrate im Blut als auch Albumin im Urin zu beurteilen. Je nach Ergebnis können Ärztinnen und Ärzte zusätzliche oder wiederholte Tests veranlassen. Ein einzelner auffälliger Wert reicht nicht automatisch für eine Diagnose; die Leitlinie betont die Bedeutung von Verlauf und Kontext.

Wenn du gesund bist und dich ausgewogen ernährst, musst du aus den verfügbaren Studien nicht ableiten, dass ein proteinreicher Snack oder Shake unmittelbar Nierenschäden verursacht. Gleichzeitig gibt es keinen Grund, aus Fitnessgründen dauerhaft extrem hohe Mengen anzustreben. Wer sich unsicher ist, kann mit einer Fachperson klären, ob es persönliche Risikofaktoren oder einen konkreten Anlass für eine Untersuchung gibt.

Proteinpulver ändert die Grundfrage nicht

Protein aus einem Shake zählt zur gesamten täglichen Proteinzufuhr. Ob es aus einem Pulver oder einer Mahlzeit stammt, hebt bekannte Nierenerkrankungen nicht auf und macht die Gesamtmenge nicht bedeutungslos. Außerdem beantworten Erkenntnisse zu Protein nicht automatisch Fragen zu anderen Supplementen, etwa Kreatin – das war im Reddit-Diskussionsanstoß ebenfalls erwähnt, ist aber eine separate Fragestellung.

BAYA plant Proteinpulver mit echter Vanille und echtem Kakao, ohne zugesetzten Zucker, mit niedrigem Laktosegehalt sowie zum Mischen mit Wasser oder Milch. Die Produkte befinden sich noch vor dem Launch; eine bestätigte Proteinmenge pro Portion liegt nicht vor. Diese Produktmerkmale sagen für sich genommen nichts darüber aus, ob eine bestimmte Proteinzufuhr bei einer individuellen Nierenerkrankung geeignet wäre. Wer eine solche Diagnose hat, sollte die Verwendung proteinreicher Produkte medizinisch abstimmen. Informationen zum Start gibt es über die BAYA-Warteliste.

Das lässt sich aus der Forschung mitnehmen

Für Erwachsene ohne bekannte chronische Nierenerkrankung zeigen Meta-Analysen von randomisierten Studien bislang keine konsistente Verschlechterung üblicher Nierenmarker durch höhere Proteinzufuhr während der untersuchten Zeiträume. Das ist keine abschließende Aussage zu jahrzehntelanger sehr hoher Aufnahme, weil Langzeitdaten begrenzt sind und die verwendeten Marker Grenzen haben.

Bei diagnostizierter chronischer Nierenerkrankung gelten eigene Leitlinien. Die Proteinzufuhr sollte dann nicht anhand allgemeiner Fitness-Empfehlungen festgelegt werden. Für gesunde Sporttreibende ist es sinnvoll, den Bedarf realistisch statt maximal anzusetzen und eine dauerhaft sehr hohe Zufuhr nicht als notwendige Abkürzung zu betrachten.

Häufige Fragen

Schädigt viel Protein die Nieren bei gesunden Menschen?

Die verfügbaren randomisierten Studien zeigen über ihre jeweiligen Beobachtungszeiträume keine konsistente Verschlechterung üblicher Nierenmarker. Langfristige Folgen einer dauerhaft sehr hohen Zufuhr sind damit jedoch nicht abschließend geklärt.

Gelten diese Ergebnisse auch bei chronischer Nierenerkrankung?

Nein. Bei diagnostizierter CKD gelten krankheitsspezifische Empfehlungen. Die KDIGO-Leitlinie rät bestimmten Erwachsenen mit CKD von mehr als 1,3 g/kg/Tag ab; die individuelle Planung gehört in medizinische Begleitung.

Bedeutet eine höhere eGFR automatisch, dass die Nieren geschädigt sind?

Nein. Eine veränderte eGFR allein beweist keine Nierenschädigung. Ärztinnen und Ärzte beurteilen sie zusammen mit weiteren Befunden wie Albumin im Urin und dem Verlauf über die Zeit.

Sollte ich wegen eines Proteinshakes einen Nierentest machen lassen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei bekannten Risikofaktoren oder auffälligen früheren Befunden solltest du eine Untersuchung und deine Proteinzufuhr ärztlich besprechen. Ein Reddit-Beitrag ist keine Diagnose und ersetzt keine individuelle Beratung.

Quellen

  1. Silva PRT, Santos P, Nogueira PÂM, et al. “Effects of High-Protein Diets on Renal Function and Body Composition in Adults Without Chronic Kidney Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Trials.” *Diabetes, Obesity and Metabolism*, 2026;28(9):7672–7683.
  2. Devries MC, Sithamparapillai A, Brimble KS, et al. “Changes in Kidney Function Do Not Differ between Healthy Adults Consuming Higher- Compared with Lower- or Normal-Protein Diets: A Systematic Review and Meta-Analysis.” *The Journal of Nutrition*, 2018;148(11):1760–1775.
  3. KDIGO. *KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease.* *Kidney International*, 2024;105(Suppl 4S):S117–S314.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. „Protein: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr.“ DGE.
  5. König D, Carlsohn A, Braun H, et al. “Position of the Working Group Sports Nutrition of the German Nutrition Society: Protein Intake in Sports.” *Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin*, 2020;71:192–198.
  6. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies. “Scientific Opinion on Dietary Reference Values for protein.” *EFSA Journal*, 2012;10(2):2557.
  7. Ko GJ, Rhee CM, Kalantar-Zadeh K, Joshi S. “The Effects of High-Protein Diets on Kidney Health and Longevity.” *Journal of the American Society of Nephrology*, 2020;31(8):1667–1679.

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